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MACBETH over Europe

“Fair is foul, and foul is fair”

Europa befindet sich in radikalem Umbruch, im Ausnahmezustand. Das sog. Flüchtlingsdrama verweist aktuell auf historische Veränderungen im Machtgefüge der Staatengemeinschaft und stellt den noch frischen Zusammenhalt der europäischen Staaten auf eine harte Probe. In Verbindung mit der zuweilen apokalyptisch beschworenen Finanzkrise eröffnet sich ein wahrhaft endzeitliches Gesellschaftsszenario.

Da kommt Macbeth gerade recht.

Die großen Themen des Stoffes drehen sich um Chaos und Ordnung, um die Kraft übersinnlichen, göttlichen Wirkens, um Macht und Schuld, um Aufbegehren gegen Natur und Schicksal und nicht zuletzt um die Frage nach der Realität schlechthin. “Fair is foul, and foul is fair”. Der Stoff eröffnet Spiel- und Denkraum für eine radikale Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Verhältnisse. Macbeth ist zugleich blutige Parabel auf die Abgründe menschlicher Existenz, die Unfähigkeit zu moralisch integrem Handeln, auf zerzauste Seelen im erbarmungslosen Dickicht der Geschichte. Versuchsweise übertragen auf die Diagnose eines Europa im Taumel – zwischen Autonomie und Fremdbestimmung, in akuter Gefahr sich durch schwer zu berechnende Kräfte selbst zu zerreißen, sich in gesetzten Ansprüchen zu verlieren, nur mühsam in der Lage die gesetzte Struktur zu verteidigen – ergibt sich eine höchst spannende Ausgangslage.

Uns interessiert der große historische Stoff als Inspirationsvorlage, als Aufforderung zum Schreiben.

Uns interessiert wie Autoren aus verschiedenen Ländern Europas die Shakespear’sche Vorlage vor aktuellem Szenario und persönlicher Autorenperspektive reflektieren, denkbare Auswege aus gesellschaftlich-politischer Sackgasse formulieren und in den konkreten  künstlerisch produktiven Prozess überführen.

Wir haben in einigen Projekten viel Erfahrung mit dieser Form der Zusammenarbeit mit internationalen Autoren gemacht. Aus unserem Pool von international renommierten Autoren arbeiten wir mir folgenden Autoren*innenan einem großen Theaterabend.

Alexander Molchanov (Russland),

Goran Ferčec (Kroatien),

Marie Niemier (Frankreich),

Lothar Kittstein (Deutschland),

Ivo Briedis (Lettland),

Ceren Ercan (Türkei)

Premiere ist im Mai 2016 im Ballsaal Bonn.

ein fringe writers Projekt – Koproduktion von phoenix5 und fringe ensemble